KI-Verzeichnis erstellen: Vorlage, Pflichtangaben & Best Practices

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Zusammenfassung

Ein KI-Verzeichnis ist die zentrale Dokumentation aller KI-Systeme, KI-Anwendungen und KI-Funktionen eines Unternehmens. Es schafft Transparenz über eingesetzte KI-Technologien und bildet die Grundlage für Risikobewertungen, Freigabeprozesse, Audits und Compliance-Nachweise.

Ein vollständiges KI-Verzeichnis sollte mindestens den Systemnamen, Anbieter, Anwendungszweck, Datenarten, Risikoklasse, Verantwortlichkeiten und den Freigabestatus enthalten. Unternehmen, die KI systematisch einsetzen, können Risiken nur dann wirksam steuern, wenn sämtliche KI-Systeme zentral erfasst und regelmäßig aktualisiert werden.

Was ist ein KI Verzeichnis?

Das KI-Verzeichnis dient als zentrale Übersicht aller im Unternehmen eingesetzten KI-Systeme, KI-Anwendungen und KI-gestützten Funktionen. Es dokumentiert deren Einsatzbereiche, verantwortliche Stellen, verwendete Daten sowie potenzielle Risiken und schafft so Transparenz über die KI-Nutzung im Unternehmen. Gleichzeitig unterstützt es die Einhaltung regulatorischer Anforderungen und bildet die Grundlage für eine verantwortungsvolle und sichere Nutzung von KI.

Die Pflicht zur Führung eines internen KI-Verzeichnisses ergibt sich nicht aus einer einzelnen ausdrücklichen Norm der KI-VO, die wörtlich „Verzeichnis“ oder „Inventar“ verlangt, sondern wird aus mehreren Pflichtenkomplexen abgeleitet, die faktisch nur durch ein strukturiertes Inventar erfüllbar sind

Teilweise werden für das KI-Verzeichnis auch folgende Begriffe verwendet:

  • KI-Inventar
  • KI-Register
  • AI Inventory
  • AI Register
  • KI-System-Verzeichnis

Wie erstellt man ein KI-Verzeichnis?

Ein KI-Verzeichnis wird erstellt, indem zunächst alle eingesetzten KI-Systeme identifiziert, anschließend die relevanten Pflichtinformationen dokumentiert und schließlich Verantwortlichkeiten sowie Aktualisierungsprozesse definiert werden. Im Übrigen gibt es spezialiserte Softwarelösungen, welche aus datenschutzrechtlicher Dokumentation ein KI-Verzeichnis ganz einfach anlegen können.

Für die meisten Unternehmen umfasst dieser Prozess fünf Schritte:

  1. Fachbereiche erfassen
  2. KI-Anwendungen identifizieren
  3. Pflichtinformationen dokumentieren
  4. Verantwortlichkeiten festlegen
  5. Aktualisierungsprozess etablieren

Welche Unternehmen benötigen ein KI-Verzeichnis?

Grundsätzlich sollte jedes Unternehmen ein KI-Verzeichnis führen, sobald Mitarbeitende KI-Anwendungen für geschäftliche Zwecke nutzen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • ChatGPT
  • Microsoft Copilot
  • Claude
  • Gemini
  • Recruiting-Systeme
  • CRM-Lösungen mit KI-Funktionen
  • interne KI-Assistenten

Je mehr KI-Systeme eingesetzt werden, desto wichtiger wird eine zentrale Dokumentation.

Warum viele Unternehmen keinen Überblick über KI-Systeme haben

Viele Unternehmen wissen inzwischen, dass sie Künstliche Intelligenz einsetzen. Deutlich herausfordernder ist jedoch die Frage, welche KI-Systeme tatsächlich im Unternehmen genutzt werden, in welchen Bereichen sie zum Einsatz kommen und welche Risiken mit ihrer Nutzung verbunden sind.

Genau hier beginnt eines der größten Governance-Probleme moderner Unternehmen.

Ein Marketing-Team nutzt ChatGPT für Content-Erstellung. Die Personalabteilung testet ein KI-gestütztes Recruiting-Tool. Im Vertrieb arbeitet ein CRM-System mit integriertem KI-Assistenten. Gleichzeitig werden neue KI-Funktionen in bestehender Software aktiviert, ohne dass diese als eigenständige KI-Anwendungen wahrgenommen werden.

Mit der Zeit entsteht ein typisches Problem: Niemand hat einen vollständigen Überblick darüber, welche KI-Systeme tatsächlich im Unternehmen genutzt werden. Ein KI-Verzeichnis schafft genau diese Transparenz. Es bildet die Grundlage für Risikobewertungen, Freigabeprozesse, Audits und eine funktionierende KI-Governance.

KI-Verzeichnis

Warum ein KI-Verzeichnis die Grundlage jeder KI-Governance ist

Viele Unternehmen investieren bereits in KI-Richtlinien, Risikobewertungen oder Freigabeprozesse.

All diese Maßnahmen setzen jedoch voraus, dass die eingesetzten Systeme überhaupt bekannt sind.

Ohne KI-Verzeichnis entstehen typische Governance-Lücken:

  • KI-Systeme werden nicht bewertet.
  • Risiken bleiben unbekannt.
  • Verantwortlichkeiten sind unklar.
  • Freigaben werden nicht dokumentiert.
  • Shadow AI bleibt unentdeckt.

Deshalb steht das KI-Verzeichnis meist am Anfang jeder erfolgreichen KI-Governance-Strategie.

Welche KI-Systeme erfasst werden sollten

Eine häufige Fehlannahme besteht darin, ausschließlich bekannte generative KI-Anwendungen zu dokumentieren.

Tatsächlich sollte jede Anwendung erfasst werden, die KI-Technologien nutzt oder KI-gestützte Ergebnisse erzeugt.

Dazu gehören unter anderem:

Generative KI

  • ChatGPT
  • Microsoft Copilot
  • Claude
  • Gemini
  • Midjourney
  • interne LLM-Systeme

KI-Funktionen in Standardsoftware

  • CRM-Systeme mit KI-Assistenten
  • ERP-Systeme mit Prognosefunktionen
  • Office-Anwendungen mit KI-Unterstützung
  • Analyse- und Reporting-Lösungen

Fachbereichsanwendungen

  • Recruiting-Software
  • Marketing-Plattformen
  • Kundenservice-Lösungen
  • Risiko- und Compliance-Systeme

Individuelle KI-Lösungen

  • Interne KI-Assistenten
  • KI-Agenten
  • Machine-Learning-Modelle
  • Automatisierungsplattformen

Entscheidend ist nicht der Produktname, sondern die tatsächliche Nutzung von KI innerhalb eines Geschäftsprozesses.

Die 5 Schritte zum KI-Verzeichnis

Der Aufbau eines KI-Verzeichnisses muss nicht kompliziert sein.

In der Praxis hat sich ein fünfstufiges Vorgehen bewährt.

  1. Alle Fachbereiche erfassen
  2. KI-Anwendungen identifizieren
  3. Pflichtinformationen dokumentieren
  4. Verantwortlichkeiten festlegen
  5. Aktualisierung sicherstellen

Schritt 1: Alle Fachbereiche erfassen

Die größte Herausforderung besteht häufig nicht im Dokumentieren, sondern im Finden der Systeme.

Deshalb sollten zunächst alle relevanten Fachbereiche einbezogen werden:

  • Marketing
  • Vertrieb
  • Personalwesen
  • IT
  • Compliance
  • Kundenservice
  • Produktentwicklung

Ziel ist eine vollständige Bestandsaufnahme.

Schritt 2: KI-Anwendungen identifizieren

Anschließend werden sämtliche KI-Systeme gesammelt. Dabei sollten nicht nur offiziell eingeführte Anwendungen berücksichtigt werden, sondern auch Pilotprojekte, Fachbereichslösungen und gegebenenfalls eigenständig genutzte Tools.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Welche KI-Tools nutzen Mitarbeitende?
  • Welche SaaS-Systeme enthalten integrierte KI-Funktionen?
  • Welche Pilotprojekte laufen aktuell?
  • Welche Automatisierungen der Workflows basieren auf KI?
  • Werden KI-Modelle intern entwickelt oder angepasst?
  • Kommen externe KI-Dienste oder APIs zum Einsatz?

Erfahrungsgemäß treten in dieser Phase häufig bislang unbekannte Systeme oder Anwendungsfälle zutage.

Schritt 3: Pflichtinformationen dokumentieren

Für jedes System sollten die wichtigsten Informationen erfasst werden.

Typische Pflichtinformationen sind:

  • Name und Beschreibung des KI-Systems
  • Zweck und Anwendungsbereich
  • Fachlich verantwortliche Organisationseinheit
  • Betreiber oder Anbieter der Lösung
  • Verarbeitete Datenkategorien
  • Betroffene Personengruppen
  • Risikoeinstufung
  • Datum der Einführung und aktueller Status
  • Schnittstellen zu anderen Systemen

Schritt 4: Verantwortlichkeiten festlegen

Jedes KI-System benötigt eine verantwortliche Person oder Organisationseinheit.

Zu den Aufgaben der Verantwortlichen gehören insbesondere:

  • Pflege und Aktualisierung der Verzeichniseinträge
  • Überwachung regulatorischer Anforderungen
  • Koordination von Risiko- und Compliance-Prüfungen
  • Ansprechpartner für Fachbereiche, Datenschutz und IT
  • Dokumentation wesentlicher Änderungen am System

Ohne klare Zuständigkeiten verlieren Verzeichnisse schnell ihre Aktualität.

Schritt 5: Aktualisierungsprozess etablieren

Ein KI-Verzeichnis ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Neue Systeme müssen laufend aufgenommen und bestehende Einträge regelmäßig überprüft werden.

Da sich die KI-Landschaft in Unternehmen stetig verändert, sollten auch Anpassungen, neue Anwendungsfälle oder die Außerbetriebnahme von Systemen zeitnah dokumentiert werden. Regelmäßige Überprüfungen stellen sicher, dass das Verzeichnis aktuell bleibt und weiterhin als verlässliche Grundlage für Transparenz, Governance und Compliance dient.

Welche Pflichtfelder ein KI-Verzeichnis enthalten sollte

Ein professionelles KI-Verzeichnis ist deutlich mehr als eine Tool-Liste. Folgende Felder haben sich in der Praxis bewährt:

Feld Beschreibung
Systemname Name des KI-Systems
Anbieter Hersteller oder Dienstleister
Fachbereich Verantwortliche Abteilung
Anwendungszweck Konkrete Nutzung
Datenarten Verarbeitete Informationen
Nutzergruppe Wer nutzt das System?
Freigabestatus Erlaubt, eingeschränkt, verboten
Risikoklasse Ergebnis der Bewertung
Verantwortliche Person Zuständige Rolle
Datum der Prüfung Letzte Bewertung
Nächste Überprüfung Geplantes Review